neuer Termin (für Mitglieder der Schlaraffia Kaiserpfalz) Jahreshauptversammlung: Sonntag,11.02.2018, 10:30 h --- Ladung folgt !

   

Login Form  

   

„Colonie Kaiserpfalz“ zum „Reych“ erhoben
Vom „Mutterreych“ Hildesia für mündig befunden – In Goslar trafen sich
700 Schlaraffen

Wer da glaubt, die Coloniegründung vor zwei Jahren ließe sich in der Pracht und Gestaltung nicht überbieten, wurde eines Besseren belehrt. Inzwischen hat sich die örtliche Vereinigung weiter gefestigt, ist gewachsen, hat eine eigene Burg erworben und ausgebaut und sich nach den Spielregeln der Schlaraffia so bewährt, dass das Mutterreych „Hildesia“ ihre Tochter „Kaiserpfalz“ dem Allschlaraffenrat gegenüber für mündig beurteilt hat. Streng sind die Regeln, nach denen das altdeutsch-ritterliche Spiel, jedoch immer unter dem Motto „Freundschaft-Kunst-Humor“, gespielt wird.

700 Teilnehmer aus allen Gemarkungen des Uhuversums – wie es in der Schlaraffensprache heißt – waren in die profane Stadt Goslar geeilt um an dem Ritterschlag der „Colonie Kaiserpfalz“, die mit der Sanktion ein selbstständiges „Reych“ wurde, teilzunehmen. Gäste aus Kanada, den USA, Lateinamerika und den Ländern des europäischen Kontinents waren in den Rüstungen ihrer schlaraffischen Reyche erschienen. Unter die farbige Pracht der reich mit Orden und anderen Auszeichnungen geschmückten Rittermäntel und Helme mischte sich der Glanz strahlender Burgfrauen, die bei diesem ritterlichen Spiele das harmonische Bild vervollständigten.

Die geschmückte Kaiserpfalz war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Fanfaren und Trompeten den Einzug der Recken ankündigten. Auftakt der feierlichen Handlung war der Sologesang des Ritters „Tonbaß-Quale“ aus der „Zauberflöte“: „In diesen heiligen Hallen…“.
Unter Fanfarenklängen und dem Ehrengeleit durch Pagen und Burgmaiden, die mit Kostümen bekleidet waren, und unter dem Spalier der Recken der „Kaiserpfalz“ wurden die Botschafter aus 67 schlaraffischen Reychen und die Vertreter des Allschlaraffenrates vor den Thron geleitet und begrüßt. Als Vertreter der Stadt galt ein besonderer Gruß dem Oberbürgermeister, der mit humorvollen und gereimten Sätzen seinerseits dem „Reychstag“ seine Referenz erwies. Donnernder Beifall des Hauses war der Dank. Ein letztes Mal zogen sodann die Sassen der Colonie in die Festburg zu dem feierlichen Akt der „Sanktion“, die durch den Ritter Arborelli in seiner Eigenschaft als Mitglied des Allschlaraffenrates erfolgte. Nach der Verlesung der „Sanktionsbulle“ durch Ritter Vespagnol folgte das feierliche Gelöbnis, das die Sassen der Kaiserpfalz kniend mit ihrem Treueversprechen bekundeten .

Nach der offiziellen Erklärung, dass die bisherige Colonie nunmehr zum „Reych Kaiserpfalz“ erhoben sei, folgte die Vorstellung der Ritter, Junker und Knappen. Danach übernahmen die Oberschlaraffen des neuen Reyches die Funktion. Ritter Archäologes hielt die Thronrede in der er seinen Dank allen Freunden und Gönnern, insbesondere auch dem Mutterreych, verstattete und die Bedeutung des Festaktes mit den Geschehnissen in den Jahrhunderten der Geschichte der Kaiserpfalz in Einklang brachte.

Mit einer schlaraffischen Hymne endete der erste Teil des Festes. Inzwischen hatte sich der Sonderchor des Staatstheaters Hannover vor dem Thron eingefunden und sang als Auftakt zu den nun folgenden Festbeiträgen „Verachtet mir den Meister nicht“ (Meistersinger). Es folgten ausgesprochen fröhliche Beiträge (die Schlaraffen sagen dazu Fechsungen) zu einem aufgelockertem Programm. Der Junker Walter aus der Hannovera sang gekonnt und eindrucksvoll die „Gralserzählung aus Lohengrin“. Immer wieder mit reichem Beifall bedacht und zu Zugaben aufgefordert waren die eindrucksvollen Vorträge des Opernchors („Wachet auf“-Meistersinger- „Zigeunerchor“ – Zigeunerbaron), dessen 75 Sänger und Sängerinnen von schlaraffischem Frohsinn angesteckt, über sich selbst hinaus wuchsen.

Alles in allem ein gelungenes Fest, das Ausdruck dafür war, dass auch in der heutigen vielfach so hektischen und materiell denkenden Welt, weltweit in festen Burgen Zeit für die Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor vorhanden ist. Oasen der Harmonie.

Goslar, den 27. Mai 1980

Ritter Ramm von und zum Silberberg

Veröffentlicht in der Goslarsche Zeitung
vom 29. Mai 1980

 

   
© ALLROUNDER