Login Form  

   

Die Gründung der Coloney Kaiserpfalz am 15.4.119 (1978)

Erinnerung eines Sassen, der es miterlebte

 

Im Rückblick war die Ausrichtung der Gründungsfeyer eine großartige Leistung der kleinen Sassenschaft. Allein der organisatorische Vorlauf, der vom Rt. Ramm gesteuert wurde war eine Gerneralstabsarbeit, für dessen Durchführung nur 22 Sassen zur Verfügung standen und von denen einige nicht voll einsatzfähig waren. Ich selbst hatte eine handfeste Grippe und stand sehr schwach auf meinen Füßen

 

Wir wollten für unser Fest natürlich den Reichssaal unserer Namen gebenden Kaiserpfalz benutzen. Das war damals problematisch, denn bis dahin hatten dort noch keine nennenswerten Veranstaltungen stattgefunden. Meine Anfrage bei der Stadt führte nur zu einem Achselzucken: „Für einen Stehempfang könnte der Raum eventuell reichen“. Es gab damals in dem Saal keinerlei Gestühl. Außer den fest installierten Standleuchten fand sich nur eine Steckdose und nur ein schmales Treppenpodest stand vor dem Mittelbild.

 

Zu meinen profanen, dienstlichen Obliegenheiten gehörte ganz am Rande auch die bauliche Unterhaltung des Kaiserhauses. Ich hatte also die notwendigen Schlüssel, Es wurde uns aber zur Auflage gemacht, den Saal bis zum Sonntag ab 10:00 Uhr vormittags wieder aufgeräumt und sauber für die Besichtigungen zu übergeben. Am Sonnabend war der Festakt. Eine weitere Auflage war, nicht mehr als 500 Besucher einzulassen, weil die Fluchtwege bei einer Panik nicht ausreichen würden. Feuerwahr und Sanitätspersonal waren außerdem zu bestellen und zu bezahlen.

 

Das notwendige Gestühl „besorgten“ wir uns in der nächstgelegenen Goetheschule. Ab 11:00 Uhr lief der Pendelverkehr. Mehrere Autoanhänger der Sassen und ein Fahrzeug von Rt. Baron Schrott wurden von einer Mannschaft in der Goetheschule beladen, und von einer anderen wurden dann die Stühle vor der Kaiserpfalz entladen und in den Reichssaal getragen. Nach einer vom Rt. Ramm gefertigten Zeichnung erfolgte die Aufstellung. Er hatte ja vorher „Platzkarten“ verkauft. Wir rechneten nach den Voranmeldungen zwar schon mit 500 Besuchern, hatten aber vorsorglich 600 Sitzplätze bereitgestellt.

 

Das Podest für den Thron wurde aus Paletten zusammengestellt. Da wir die alte Treppenanlage überbauen mussten, entwickelte sich der Bau zu einer schwindelnden Höhe. Da alle Würdenämter doppelt besetzt waren, hatte der Thron auch eine stattliche Breite. Die doppelte Besetzung war notwendig, weil der erste Teil der Veranstaltung von der Mutter Hildesia und der zweite von uns zelebriert werden musste. Unsere, in der ersten Wahlschlaraffiade erkürten Wahlwürdenträger, die in der Ceremonie vereidigt wurden, waren die Rt. Aortus, Archäologes und Konterfeyer. Als Oberschlaraffen der Mutter fungierten die Rt. Vespagnol, Don Kurbello und Orkan. Anwesend waren ferner 3 Allschlaraffenräte und 2 deutsche Schlaraffenräte. Ich selbst hatte im Verlauf des Nachmittags noch eine heftige Auseinandersetzung mit unserem zuständigen Allschlaraffenrat, dem Rt. Arborelli. Wir hatten bei einer vorhergehenden Gründungsfeyer im Reyche Sachsenwald erlebt, dass es schwierig war, mit eigenen Kräften vor einem großen Zuschauerkreis die Aufmerksamkeit zu erhalten. Mindestens die Hälfte der Besucher waren schließlich keine Schlaraffen. Wir wollten deshalb einen professionellen Höhepunkt setzen.

 

Dank der Hilfe des Rt. Car-jus-O konnten wir den Hannoverschen Opernchor engagieren, gegen Erstattung der Buskosten und für ein Abendbrot aus Kartoffelsalat und Würstchen. Dieser Auftritt sollte gestrichen werden, weil er nicht schlaraffisch begründet sei. Rt. Arborelli wollte aus dem Kreise der Gastrecken einige animieren, die Fexungen hätten bringen können. Ich habe das abwehren können. Den weiteren Ärger gab es, als er beiläufig sagte, dass er die Gründungszeremonie „aus dem Handgelenk“ machen werde. Ich verlangte jedoch ein Manuskript. Ich habe ihn außerdem zu einer Probe überredet, die dann so missglückte, dass er nach Hause ging, um seinen Teil auszuarbeiten. Nach der Festsippung war er glücklich darüber, dass ich standfest geblieben bin (bei meinem Grippekopf nicht leicht). Seither sind wir dicke Freunde geworden.

 

Bei den Vorbereitungen hatten wir auch gute Hilfe von Sassen der Hildesia. So drapierte z.B. Rt. Prospectus den Thron und den Unterbau mit Stoffbahnen, deren Form er als „Intendantenärsche“ bezeichnete. Einige Burgfrauen dekorierten die Tische, andere waren Platzanweiserinnen. Die Kinder der Sassen verkauften Quisselbeerensaft, hochprozentigen Kirsch-Ihi usw. Der Arbeitseinsatz der Sassen des künftigen Reyches war vorbildlich. Auch die Rt. A-shanty, Aortus und Ökonomikus schleppten Tische und Stühle im Akkord.

 

Eine Sonderaufgabe hatte der Rt. Hugin übernommen. Er sollte Hinweisschilder auf die Veranstaltung installieren. An allen Zufahrtsstraßen Goslars gibt es amtliche Wegweiser zu Kaiserpfalz. Diese beklebte er zusätzlich mit dem UHUsymbol vom Rt. Ping-uhu-in. Er hatte von mir die Anweisung bekommen, diese sofort nach dem Gründungsakt, bei dem wir alle vor dem Thron stehen mussten, wieder zu beseitigen. Das war auch gut so, denn irgendwer hatte uns angezeigt. Gegen Ende der Veranstaltung kam die Polizei zu mir als dem für die böse Tat verantwortlichen, um Strafe zu kassieren. Ich habe sie gebeten, ein konkretes Beispiel zu suchen und dann wiederzukommen. Es wurde offenbar keines gefunden. Rt. Hugin hatte übrigens – wie er später erzählte – eine Leiter auf sein Auto stellen müssen, um die Schilder zu erreichen.

 

Ein großes Problem war die Bewirtung der Besucher. Rt. Ramm hatte damals eine Weinvertretung, von der er einen Teil der Gläser ausleihen konnte. Weitere kamen aus der Küche des Bundesgrenzschutzes. Eine Anzahl Rekruten konnten wir auch für ein Taschengeld als Bedienung anwerben. Von einem Schlachtermeister bekamen wir 400 „Fuhrmannsteller“ geliefert (2 Brötchen, Wurst und Gehacktes auf einem Pappteller und dazu Plastikbesteck). Wir hätten noch mehr von der primitiven Atzung verkaufen können. Immerhin haben wir aus dem Gewinn die Bedienung bezahlen können.

 

Mit großer Besorgnis beobachtete ich das eintreffen der Gastrecken mit Burgfrauen und Tross. Als die 600 Plätze besetzt waren und der Zulauf nicht enden wollte musste ich schließlich abschließen und einen Feuerwehrmann vor dem Eingang postieren. Es kamen aber noch weitere Besucher! Mir wurde später erzählt, dass die Feuerwehr bestochen worden ist und ein Leiterzugang zu der Galerie vor der Ulrichskapelle bestanden habe. Auch fremde Sitzgelegenheiten tauchten auf: Gartenstühle von der Domschänke und sogar Parkbänke aus den anlagen.

 

Meine Sorge war: „Wie wollen wir die morgen früh zurückbringen?“ Aber zum Lobe der Besucher mussten wir feststellen, dass alle von den Ausleihern zurückgebracht worden sind. Die wohl gut geschmierten Hände der Leihgeber brachten uns allerdings den Ruf ein, eine exklusive und reiche Gesellschaft zu sein. Angeblich soll jemand in der Domschänke behauptet haben, dass zu dem Treffen der Naturschützer (Ein Banner mit dem UHU hing am Kaiserhaus) auch der Bundespräsident mit dem Hubschrauber auf der Pfalzwiese landen werde. So großmogulig waren wir allerdings nicht.

 

Weder der damalige Oberbürgermeister noch der Oberstadtdirektor waren zu einer kurzen Begrüßungsrede bereit. Wir baten deshalb den Oberkreisdirektor Müller, der auch eingesprungen ist. Von mir gespickt, machte er seine Sache echt schlaraffisch. Hinterher gab es wohl lange Gesichter. OB Sander, der bei der Sanktionsfeyer dann die Begrüßungsrede hielt, versprach sogar, dafür zu sorgen, dass in zwei Jahren bis zur Sanktion Gestühl angeschafft würde.

 

Aber so schnell reagiert eine Verwaltung nicht. Wir hatten den gleichen Arbeitsaufwand noch einmal zu leisten. Erst als das Pankett aus der Worth in das Kaiserhaus verlegt werden musste, wurde das Gestühl beschafft. Seither nimmt die Stadt saftige Mieten, die wir beim 10jährigen Jubiläum nicht mehr bezahlen konnten, so dass wir in das Schützenhaus ausweichen mussten.

 

Die Gründungsfeyer wurde ein großer Erfolg. Wohin man im Uhuversum in den folgenden Jahrungen einritt, immer war diese Feyer ein lobendes Gespräch wert. Drei Höhepunkte wurden immer wieder erwähnt: Der „Kanonenschuss“ von Rt. Baron Schrott, der Auftritt des Opernchores mit 50 Sängern und Sängerinnen und das Geläut der Goslarer Glocken. Über den Chor habe ich schon berichtet, die beiden anderen Punkte muss ich noch erläutern: Rt. Baron Schrott hatte eine echte Kanone gegossen und gebastelt. Ich hatte sie als Dekorationsstück angesehen und bin fast vom Throngefallen, als er die mit einer Fackel zündete. Im Geist sah ich die Fenster hinausfliegen. Er hatte aber heimlich geübt um die richtige Pulvermenge zu finden, so gab es außer dem Donnerhall nur eine Rauchwolke und Gestank (übrigens hat unsere Mutter Hildesia Schwierigkeiten mit der geerbten Kanone). Zur Bedienung muss ein geprüfter Feuermann, ein Sprengmeister, herangezogen werden. Die Rtt. Cosmet und Silent bemühten sich um die Prüfung.

 

Das Glockengeläut nach der Gründungsfeyer und dem Kanonenschuss war nur teilweise geplant. Rt. Ramm betreute das Denkmal mit der Heimkehrerglocke vor dem Kaiserhaus. Er hatte einen Kameraden aus dem Verein nach dort abgestellt, der die Glocke auf Handzeichen 3 Minuten lang läuten sollte. Zufällig fielen die Goslarer Kirchenglocken mit ein. Es war das übliche Abendläuten am Sonnabend zur Einleitung des Sonntages. Das erklärten wir allerdings unseren Gästen nicht.

 

Erstaunlich war das Sitzfleisch vieler Gäste. Um 2.00 Uhr in der Frühe musste ich energisch darum bitten, den Reichssaal zu räumen. Um 3.00 Uhr konnte ich hinter den letzten Gästen die Türen abschließen. Ab 7.00 Uhr war Räumdienst für unsere Sassen angesagt. Der Rücktransport des Gestühls verlief reibungslos, und um 11.00 Uhr konnte die erste Führung durch das Kaiserhaus wieder laufen. Das war zwar eine Stunde später als geplant, es kam aber keine Beschwerde.

 

Zum Schluss noch einige Zahlen: An der Gründungsfeyer nahmen nach verlässlichen Schätzungen rund 900 Personen teil. Es waren z.B. alle Fensterbänke zusätzlich dicht besetzt. 74 Reyche und 2 Coloneyen hatten sich offiziell angemeldet. „Bilder, wie bei einem mittelalterlichen Reichstag“ vermeldeten die Gazetten. Es war vermutlich die an Personenzahl größte Veranstaltung, die der Reichssaal je gesehen hat und der reibungslose Ablauf ein Beispiel für den Einsatz der eigenen Sassen, für eine sorgfältige Planung du für die Disziplin der Gastrecken mit ihrem Anhang.

Lulu

Rt. Archäologes der Stadt-(er)-halter

Kaiserpfalz (390) OI und EZ

 

   
© ALLROUNDER